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MOTS-c

Insulinsensitivität und Glukosestoffwechsel, Skelettmuskel-Antwort auf Belastung, mitochondriale Funktion.

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026 · Version 1.0

Evidenzlage

unzureichendHumandaten vorhanden

Datenlage lässt keine Aussage zur Wirkung beim Menschen zu.

Die publizierten Humandaten beschränken sich auf eine mechanistische Belastungsstudie an zehn Männern, eine Genotyp-Assoziationsstudie und ein abgeschlossenes Phase-1a/1b-Programm mit einem MOTS-c-Analog (CB4211), das nie in einer Peer-Review-Publikation vollständig veröffentlicht wurde und dessen Sponsor 2023 liquidiert wurde. Für die im Grey Market beworbenen Anwendungen — Insulinsensibilisierung, Fatloss, Anti-Aging — existieren keine kontrollierten Endpunktdaten.

Verwendete Quellen nach Studientyp

  • Randomisierte Humanstudien0
  • Sonstige Humandaten2
  • Tierstudien2
  • In-vitro-Daten1
  • Mechanistische Evidenz1

Wissenschaftlich geprüft am

MOTS-c ist ein 16-Aminosäure-Peptid, das durch einen kurzen offenen Leseramen (sORF) innerhalb des mitochondrialen 12S-rRNA-Gens kodiert wird. Es gehört zu einer erst 2015 systematisch beschriebenen Klasse — den mitochondrial-derived peptides (MDPs) — und wurde von der Arbeitsgruppe um Pinchas Cohen an der University of Southern California erstpubliziert (Lee et al., 2015). Die Klasse ist wissenschaftlich interessant, weil sie zeigt, dass auch das mitochondriale Genom nicht nur die Atmungskette codiert, sondern regulatorische Peptide.

Für die Anwendung am Menschen bedeutet das aktuell allerdings sehr wenig. Zum Recherchestand existiert keine peer-review-publizierte kontrollierte Humanstudie mit klinischem Endpunkt.

Was MOTS-c biologisch macht

MOTS-c aktiviert AMPK indirekt. Es hemmt Enzyme des Folat-Ein-Kohlenstoff-Zyklus, wodurch AICAR (5-Aminoimidazol-4-Carboxamid-Ribonukleotid) akkumuliert — und AICAR ist ein bekannter direkter AMPK-Aktivator. Wirkort ist primär der Skelettmuskel. Im Mausmodell verbessert MOTS-c die Insulin-vermittelte Glukoseaufnahme und reduziert bei High-Fat-Diet die Gewichtszunahme und hepatische Fettinfiltration. Alte Mäuse zeigten nach sieben Tagen Behandlung eine wiederhergestellte Insulinsensitivität.

Bei metabolischem Stress wandert MOTS-c außerdem vom Zytoplasma in den Zellkern und beeinflusst dort die Expression AMPK-regulierter, teils antioxidativer Gene (Kim et al., 2018).

Ein klassischer Rezeptor — vergleichbar dem GHRH- oder GLP-1-Rezeptor — ist für MOTS-c nicht abschließend charakterisiert. Die Bezeichnung als “Peptidhormon” ist funktional gerechtfertigt (systemische metabolische Effekte, zirkulierende Fraktion, Antwort auf Belastung), rezeptorpharmakologisch aber unvollständig belegt.

Humandaten

Reynolds et al. 2021 (Nature Communications) — die zentrale Humanarbeit — ist keine Interventionsstudie mit MOTS-c. Untersucht wurden zehn sedentäre gesunde junge Männer (Alter 24,5 ± 3,7 Jahre) im Belastungstest mit Muskelbiopsien und Plasmaproben vor, während und nach Fahrrad-Ergometrie. Muskel-MOTS-c stieg nach Belastung um das 11,9-fache, zirkulierendes MOTS-c auf das 1,6-fache und normalisierte sich innerhalb von vier Stunden. Der Rest der Arbeit ist Mausmodell (Reynolds et al., 2021).

CB4211 (CohBar, NCT03998514) war das einzige echte klinische Programm — allerdings mit einem MOTS-c-Analog, nicht dem nativen Peptid. Die Phase-1a/1b-Studie schloss 88 Teilnehmer ein, darunter 20 NAFLD-Patienten über vier Wochen. Die Ergebnisse wurden im August 2021 als Pressemitteilung veröffentlicht (primärer Sicherheitsendpunkt erreicht, PD-Signale in Part C: signifikante ALT/AST-Reduktion, Nüchternglukose-Rückgang, häufig persistierende Injektionsstellen-Reaktionen). Eine Peer-Review-Vollpublikation existiert nicht. Der Sponsor CohBar terminierte im November 2023 einen geplanten Reverse Merger, meldete Liquidation an; das CB4211-Programm wurde eingestellt.

NCT07505745 (Hudson Biotech, MOTS-MET) ist die erste registrierte Phase-2a-Studie mit dem nativen 16-Aminosäure-Peptid: 120 geplante Teilnehmer mit Prädiabetes und Übergewicht/Adipositas, subkutan über 12 Wochen, primärer Endpunkt ist die Veränderung der OGTT-abgeleiteten Insulinsensitivität (Matsuda-Index). Einziger gelisteter Standort ist das Peking University Shenzhen Hospital; die Studie ist als nicht-FDA-reguliert markiert. Rekrutierung läuft seit Februar 2026, Primary Completion Februar 2027.

Fuku et al. 2015 ist eine Assoziationsstudie an japanischen Männern zum K14Q-Polymorphismus (Aminosäuretausch Lysin→Glutamin an Position 14). Die Variante war in der Langlebigkeits-Kohorte überrepräsentiert. Es handelt sich um eine hypothesengenerierende Assoziation — kein Kausalitätsnachweis, keine Intervention.

Sicherheit

Es liegen keine großen Langzeit-Sicherheitsdaten am Menschen vor. Alle publik gemachten Humansicherheitsdaten stammen aus der CohBar-Pressemitteilung zum Analog CB4211: gut verträglich, keine SAEs, häufig persistierende Injektionsstellen-Reaktionen. Zu Immunogenität, Langzeit-Malignomrisiko, Diabetesrisiko unter chronischer AMPK-Aktivierung und Wechselwirkungen gibt es keine peer-review-publizierten Daten. Keine Schwangerschafts-, Stillzeit- oder pädiatrischen Daten.

USADA nennt in seiner öffentlichen Kommunikation als bei nichtärztlicher Anwendung berichtete Nebenwirkungen erhöhte Herzfrequenz, Injektionsstellen-Reizung und Schlaflosigkeit — nicht studienbasiert.

Grey-Market-Problem

MOTS-c wird auf zahlreichen “Research Peptide”-Websites vertrieben, meist mit dem Disclaimer “for research use only, not for human consumption”. Diese Deklaration umgeht die arzneimittelrechtliche Regulierung, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die realen Anwender überwiegend Menschen sind. Zum Charakterisierungsproblem:

  • HPLC-UV-“Reinheit” ≥99 Prozent sagt nichts über sterile Qualität, Endotoxingehalt oder das tatsächliche Vorliegen der korrekten Sequenz aus.
  • MOTS-c enthält zwei Methionine — oxidative Nebenprodukte (Methionin-Sulfoxid) sind möglich und in nicht-cGMP-Präparaten schwer auszuschließen.
  • Eine unabhängige, systematisch veröffentlichte Analyse von Grey-Market-MOTS-c-Chargen in Peer-Review-Literatur existiert nicht. Einzelne Community-Testservices liefern Chargen-Snapshots ohne repräsentativen Marktüberblick.

Was Endanwender als “MOTS-c” injizieren, ist strukturell nicht zwingend das native, korrekt gefaltete 16-Aminosäure-Peptid in pharmazeutischer Qualität.

Regulatorik

USA: Keine FDA-Zulassung. Bis Mitte 2026 war MOTS-c nicht auf der 503A-Bulks-Liste. Am 23. bis 24. Juli 2026 beriet der Pharmacy Compounding Advisory Committee der FDA über MOTS-c und empfahl mit knapper Mehrheit die Aufnahme (Vote nicht-bindend). Die formelle FDA-Entscheidung per Rulemaking steht zum Recherchestand aus.

EU/DE: Keine EMA-Zulassung, kein laufendes Verfahren. In Deutschland kein Fertigarzneimittel, keine BfArM-Zulassung. Anwendung am Menschen fällt unter den Zulassungsvorbehalt des Arzneimittelgesetzes. Details zur deutschen Rechtslage stehen im Rechtsstatus-Guide.

WADA: Verboten unter Kategorie S4.4.1 (Aktivatoren der AMP-aktivierten Proteinkinase), namentlich als “mitochondrial open reading frame of the 12S rRNA-c (MOTS-c)” auf der Prohibited List 2026 aufgeführt. Ganzjährig verboten. USADA weist ausdrücklich darauf hin, dass eine TUE wegen fehlender zugelassener therapeutischer Indikation praktisch nicht zu erhalten ist.

Einordnung

MOTS-c ist eines der wissenschaftlich spannenderen Peptide dieser Liste. Die Klasse der mitochondrial-derived peptides eröffnet neue Perspektiven auf endokrine Signale aus den Mitochondrien; die Mechanismus-Daten sind interessant. Aber die klinische Übersetzung ist bislang nicht gelungen: Das einzige industrielle Programm scheiterte am Sponsor-Ende, eine Peer-Review-Publikation der bereits abgeschlossenen Phase-1-Daten fehlt, und die einzige laufende Phase-2a-Studie beginnt gerade erst außerhalb der etablierten Zulassungsräume.

Wer MOTS-c anwendet, entscheidet sich für einen Wirkstoff ohne kontrollierte Humanstudie, ohne Zulassung, ohne belegte Reinheit oder Sterilität und mit einer WADA-Sperre für Wettkampfsportler. Die interessante präklinische Wissenschaft ist real; die klinische Belegbasis ist es zum Recherchestand nicht.

Regulatorischer Status

EU und DeutschlandKein Fertigarzneimittel, keine EMA-Zulassung, kein laufendes Zulassungsverfahren. In Deutschland fällt die Anwendung am Menschen unter den Zulassungsvorbehalt des Arzneimittelgesetzes.
USAKeine FDA-Zulassung. Der PCAC empfahl im Juli 2026 mit knapper Mehrheit die Aufnahme in die 503A-Bulks-Liste (nicht-bindend); die formelle Regulierungsentscheidung stand zum Recherchestand aus.
Wettkampfsport (WADA)Verboten unter S4.4.1 (AMPK-Aktivatoren), namentlich als "mitochondrial open reading frame of the 12S rRNA-c (MOTS-c)" gelistet. Ganzjährig verboten.

Stand: 19. August 2026.

Technische Daten (Steckbrief)
Steckbrief MOTS-c
TypMitochondrial-Derived Peptide (16 Aminosäuren; MRWQEMGYIFYPRKLR)
Molekulargewichtca. 2.174,6 Da
HerkunftErstbeschrieben von Lee et al. (Cohen-Gruppe, USC) 2015 in Cell Metabolism
WirkmechanismusIndirekte AMPK-Aktivierung über Hemmung des Folat-Ein-Kohlenstoff-Zyklus
EvidenzlageKeine peer-review-publizierte kontrollierte Humanstudie mit klinischem Endpunkt
Zulassungsstatus USAKeine FDA-Zulassung; PCAC-Empfehlung Juli 2026 pro Aufnahme in 503A-Liste (nicht-bindend)
Zulassungsstatus EU/DEKeine Zulassung, kein Fertigarzneimittel
WADA-StatusVerboten, S4.4.1 (AMPK-Aktivatoren), namentlich gelistet

In Studien untersucht bei

Verwandte Peptide

Häufig gemeinsam betrachtet. Die Kennzeichnung zeigt, ob eine Kombination wissenschaftlich untersucht oder lediglich in der Community verbreitet ist.

Häufige Fragen

Was ist MOTS-c biologisch?

MOTS-c ist ein 16-Aminosäure-Peptid, das durch einen kurzen offenen Leseramen innerhalb des mitochondrialen 12S-rRNA-Gens kodiert wird — also nicht im Zellkern, sondern in der DNA der Mitochondrien. Es gehört zur Klasse der mitochondrial-derived peptides (MDPs) neben Humanin und den SHLPs. Erstbeschrieben wurde es 2015 von der Gruppe um Pinchas Cohen an der USC.

Gibt es klinische Studien am Menschen?

Zum Recherchestand keine peer-review-publizierte kontrollierte Phase-2- oder Phase-3-Studie mit einem klinisch harten Endpunkt. Die einzige belastbare Humanarbeit (Reynolds 2021, Nature Communications) untersuchte an zehn sedentären jungen Männern die endogene MOTS-c-Antwort auf Ergometer-Belastung — keine Intervention mit MOTS-c. Das einzige klinische Programm (CB4211 von CohBar, ein MOTS-c-Analog) endete 2021 mit einer Topline-Pressemitteilung ohne Vollpublikation; der Sponsor wurde 2023 liquidiert. Eine neue Phase-2a-Studie mit dem nativen Peptid (NCT07505745) rekrutiert seit Februar 2026 in Shenzhen; Ergebnisse frühestens 2027.

Ist MOTS-c in Deutschland zugelassen?

Nein. Es existiert keine EMA-Zulassung und kein laufendes Zulassungsverfahren; auch national gibt es keine BfArM-Zulassung. Anwendung am Menschen fällt unter den Zulassungsvorbehalt des Arzneimittelgesetzes.

Was ist zu Sicherheit und Nebenwirkungen bekannt?

Praktisch nichts Belastbares. Die einzige publik gemachte Humansicherheitsstudie war eine Phase-1-Studie mit dem MOTS-c-Analog CB4211; die Ergebnisse wurden nur als Pressemitteilung veröffentlicht, mit häufig persistierenden Injektionsstellen-Reaktionen als hervorstechendem Befund. Eine Peer-Review-Vollpublikation gibt es nicht. Zu Immunogenität, Langzeit-Malignomrisiko, Wechselwirkungen und Anwendung in Schwangerschaft oder Stillzeit gibt es keine Humandaten.

Warum ist MOTS-c auf der WADA-Verbotsliste?

Weil es AMPK aktiviert. Die WADA verbietet seit einigen Jahren AMPK-Aktivatoren unter Kategorie S4.4.1 (Metabolische Modulatoren). Auf der Prohibited List 2026 ist MOTS-c ausdrücklich namentlich als "mitochondrial open reading frame of the 12S rRNA-c (MOTS-c)" aufgeführt. USADA weist ausdrücklich darauf hin, dass eine TUE wegen fehlender zugelassener therapeutischer Indikation praktisch nicht zu erhalten ist.

Was ist im Grey Market als "MOTS-c" verkauft — enthält es wirklich MOTS-c?

Eine unabhängige, systematisch veröffentlichte Analyse von Grey-Market-MOTS-c-Chargen in Peer-Review-Literatur existiert nicht. HPLC-UV-Reinheitsangaben sagen nichts über Sterilität, Endotoxingehalt und korrekte Sequenz. MOTS-c enthält zwei Methionine, oxidative Nebenprodukte sind möglich. Was Endanwender als "MOTS-c" injizieren, ist strukturell nicht zwingend das native, korrekt gefaltete Peptid in pharmazeutischer Qualität.

Quellen

8 Quellen · 38 Prozent hohe Quellenqualität · 50 Prozent von Gruppen ohne erkennbares Eigeninteresse

  1. 1.Lee C et al., 2015Qualität hochTier: Erstbeschreibung des Peptids; Mausmodelle mit High-Fat-Diet und alten MäusenEigeninteresse möglich

    The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance · Cell Metabolism

    Substanzentdeckung und Wirkmechanismus, publiziert in Cell Metabolism.

  2. 2.Reynolds JC et al., 2021Qualität mittelMensch: 10 sedentäre gesunde junge Männer, Fahrrad-Ergometrie mit Muskelbiopsien; Rest der Arbeit im MausmodellEigeninteresse möglich

    MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis · Nature Communications

    Mechanistische Belastungsstudie; keine Intervention mit MOTS-c am Menschen und kein klinischer Endpunkt.

  3. 3.Kim KH et al., 2018Qualität hochIn vitroEigeninteresse möglich

    The mitochondrial-encoded peptide MOTS-c translocates to the nucleus to regulate nuclear gene expression in response to metabolic stress · Cell Metabolism

  4. 4.Fuku N et al., 2015Qualität mittelMensch: Assoziationsstudie an japanischen Männern, K14Q-Polymorphismus

    The mitochondrial-derived peptide MOTS-c: a player in exceptional longevity? · Aging Cell

    Hypothesengenerierende Assoziation, keine Intervention und kein Kausalitätsnachweis.

  5. 5.CohBar Inc. et al., 2021Qualität mittelMensch: 88 Teilnehmer, MOTS-c-Analog (nicht identisch mit dem nativen Peptid), 4-Wochen-Parallelgruppe in NAFLD (n=20)Eigeninteresse möglich

    A Phase 1a/1b Study of CB4211 in Healthy Non-obese Subjects and Subjects with Nonalcoholic Fatty Liver Disease

    Topline-Pressemitteilung 2021; keine peer-review-Vollpublikation; Sponsor CohBar wurde 2023 liquidiert.

  6. 6.Hudson Biotech et al., 2026Qualität mittelMensch: Geplant n=120; Start Februar 2026 am Peking University Shenzhen Hospital; Primary Completion Februar 2027

    A Phase 2a Study to Evaluate MOTS-c in Adults With Prediabetes and Overweight/Obesity (MOTS-MET)

  7. 7.World Anti-Doping Agency et al., 2026Qualität hochBehörde

    The 2026 Prohibited List

  8. 8.USADA et al., 2024Qualität mittelBehörde

    What is MOTS-c peptide?

Alle Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und sind keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Viele der beschriebenen Peptide sind nicht als Arzneimittel zugelassen. Die Informationsbeschaffung und jede Anwendung liegen in der eigenen Verantwortung der Leser und erfolgen auf eigene Gefahr. Sprich vor gesundheitsbezogenen Entscheidungen mit einem Arzt.Vollständiger Disclaimer